DGfE2019 - Thema

Lernen mit und über Medien in einer digitalen Welt

Lernen mit und über Medien war und ist in der deutschsprachigen Medienpädagogik Inhalt und Ziel mediendidaktischer und medienerzieherischer Überlegungen und Aktivitäten. Durch curriculare Neuerungen wird das Thema zunehmend auch Teil anderer Fachdidaktiken und – so könnte man argumentieren – auch zu einer eigenständigen Fachdidaktik.

Themenfeld: "Lernen mit Medien"

Das Thema Lernen mit Medien hat eine vergleichsweise lange Tradition in der Medienpädagogik und formierte den Übergang zu «e-learning», «blended-learning», CSCW und institutionellen Lernplattformen im Allgemeinen. Dies begründet dann auch Übergänge zur eher neuen Wissenschaftsdisziplin «Hochschul- und Mediendidaktik». In diesen Bereichen stellt sich die Frage nach aktuellen Erkenntnissen sowie nach erfolgreichen oder gescheiterten Projekten, Ansätzen und den jeweiligen Ursachen. Diverse Wirksamkeitsstudien beschäftigen sich mit der Frage, wie Lernen mit Medien erfolgreich gestaltet werden kann. «Erfolgreich» ist in diesem Sinne ein Container-Begriff, der je nach Kontext ausgelegt werden kann und muss. Gleiches gilt für Begriffe wie «Effizienz», «Effektivität» oder «Mehrwert». Deutlich wird, dass erst die Verbindung von Technologie- und Organisationsentwicklungskonzepten eine qualitativ hochwertige, effektive Nutzung digitaler Medien in Schule, Hochschule und Unterricht erzielen kann und somit weniger das «Was» sondern stärker das «Wie» Aufschluss über Gelingensbedingungen geben kann.

Themenfeld: "Lernen über Medien"

Im Bereich des Lernens über Medien, das ebenfalls eine vergleichsweise lange Tradition in der Medienpädagogik hat, finden wir vor allem eine begriffliche Unschärfe vor. Hier konkurrieren Medienerziehung, Medienkompetenz und deren Förderung in pädagogisch-institutionellen Settings sowie Medienbildung – hier verstanden als fachdidaktisches Handlungskonzept in der Schule – miteinander, wobei der sprachliche Gebrauch von Medienbildung an dieser Stelle auch regional sehr unterschiedlich ist und vor allem in Österreich und in der Schweiz im Kern eher die Medienerziehung bezeichnet als den theoretischen Rahmen zum Medienhandeln in der Alltagswelt. In dieser Diskussion kommt neuerdings die Frage nach der Informatik, bzw. der Didaktik der Informatik hinzu, mit Implikationen, was denn aktuell über bestimmte mediale Typen wie soziale Online-Netzwerke oder Robotik auf der informatischen Seite zu Lernen sei. Ein Beispiel für einen entsprechenden Systematisierungsversuch ist das Dagstuhl/Frankfurter-Dreieck.

Themenfeld: "Digitalisierung – Gesellschaft – Lernen"

Die Gesellschaft befindet sich derzeit in einem (digitalen) Transformationsprozess, einem Mediatisierungsschub, von dem alle Bereiche des Alltags massiv betroffen sind. Obwohl Digitalisierung im öffentlichen bildungsbezogenen Diskurs recht prominent verhandelt wird, hinkt er inhaltlich doch den eigentlichen Entwicklungen in Technik, Gesellschaft und Bildungspraxis teilweise hinterher. Insofern wäre zu fragen, ob politische Positionen wie das KMK-Papier (DE), Schule 4.0 (AT) oder Lehrplan 21 (CH) und die dadurch angestossenen Prozesse die Herausforderungen der Digitalisierung nachhaltig gut abbilden, oder eher nachhinkende Reaktionen sind und wie dann wiederum eine kritische Medienpädagogik mittelfristig damit umgehen müsste.
Das Thema Lernen steht im Zentrum der Herbsttagung 2019. Das betrifft einerseits die zuvor genannten Themenfelder, andererseits auch Fragen nach Lernen in unterschiedlich charakterisierten Kontexten wie z.B. formell – informell, oder institutionell – persönlich usw. Lernen soll auf der Herbsttagung aus einer thematisch breiten Perspektive sowohl anhand empirischer Projekte als auch durch grundlegende theoretische Überlegungen bearbeitet werden.